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Judasohr im Winterwald – Heilpilz am Holunder erkennen und nutzen

Heute nehme ich dich wieder mit in den Winterwald.

Nach dem Chaga möchte ich dir einen weiteren Heilpilz vorstellen, der gerade in der kalten Jahreszeit Saison hat: das Judasohr (Auricularia auricula-judae).

Seine Zeit ist – je nach Wetterbedingungen – vom Spätherbst bis in den Februar oder März hinein. Milde Winter verlängern sie, starke Frostperioden unterbrechen sie. Doch grundsätzlich gehört er zu den typischen Winterpilzen.

Im Winter nach Pilzen zu suchen wird für das Auge einfach gemacht: da die Bäume kahl sind und der Blick frei wird auf alte Äste und Sträucher, sind sie besonders gut zu entdecken. Ganz im Gegensatz zum Herbst, wenn der „normale“ Pilzsammler versucht die goldgelben Pfifferlinge unter ebenso gelben Herbstlaub zu entdecken.

Warum der Winter die beste Zeit für das Judasohr ist

Wenn das Laub fehlt, treten Strukturen hervor, die im Sommer verborgen bleiben. Alte Holunderbüsche stehen plötzlich klar sichtbar am Wegesrand – knorrig, oft etwas verwachsen, manchmal schon halb abgestorben.

Und genau dort wächst er bevorzugt: der Judasohr Pilz.

Ich halte im Winter ganz selbstverständlich Ausschau nach diesen kleinen, braunen, ohrförmigen Gebilden am Holz. Für mich gehört das zur kalten Jahreszeit dazu – wie das Rascheln des Laubs oder das Knirschen des Schnees unter den Schuhen.

Judasohr erkennen – Merkmale und Verwechslungsgefahr

Der Name kommt nicht von ungefähr. Das Judasohr sieht tatsächlich aus wie ein kleines Ohr.

Typische Merkmale des Judasohrs

  • gallertartig und elastisch
  • bräunlich bis rötlich-braun
  • leicht durchscheinend
  • weich und biegsam bei Feuchtigkeit
  • hart und schrumpelig bei Trockenheit

Nach Regen quillt er wieder auf und wird glibbrig-elastisch. Deswegen bin ich genau jetzt, wo die Gefriertemperaturen vorbei sind, es feucht vom Himmel kommt los an meine bekannten Stellen und habe 2 volle Tüten sammeln können. Bei Trockenheit zieht er sich zusammen, bleibt aber am Holz haften.

Gibt es Verwechslungsgefahr?

Kaum.
Es gibt nur wenige Pilze mit dieser charakteristischen, ohrartigen Form. Wer ihn einmal bewusst gesehen hat, erkennt ihn meist zuverlässig wieder.

Wo wächst das Judasohr? Standort und Lebensweise

Das Judasohr wächst bevorzugt an:

  • alten Holunderbüschen
  • abgestorbenem oder geschwächtem Holunderholz
  • seltener an Ahorn, Buche oder anderen Laubbäumen

Wie viele Heilpilze ist auch er ein Schwächeparasit. Er besiedelt geschwächtes Holz und trägt dazu bei, dass es zersetzt wird.

Für den Baum bedeutet das langfristig Abbau.
Für uns bedeutet es wertvolle Inhaltsstoffe.

Dieses natürliche Zusammenspiel zeigt wieder einmal, wie eng Zersetzung und Neubeginn in der Natur verbunden sind.

Judasohr als Heilpilz – Wirkung und Inhaltsstoffe

In der westlichen Naturheilkunde wird das Judasohr zunehmend als Heilpilz geschätzt. In der traditionellen chinesischen Medizin ist er hingegen schon seit Jahrhunderten bekannt.

Dort trägt er den Namen:

Mu-Err – Das Judasohr in der traditionellen chinesischen Medizin

In China wird Mu-Err traditionell verwendet zur Unterstützung:

  • der Durchblutung
  • der Gefäßgesundheit
  • der allgemeinen Vitalität

Wichtige Inhaltsstoffe des Judasohrs

  • Polysaccharide
  • Beta-Glucane
  • Adenosin
  • Mineralstoffe
  • Ballaststoffe

Traditionell zugeschriebene Wirkungen

Dem Judasohr werden in der Naturheilkunde folgende Eigenschaften zugeschrieben:

  • Unterstützung der Fließeigenschaften des Blutes
  • Förderung der Mikrozirkulation
  • positive Wirkung auf Blutfettwerte
  • Unterstützung des Immunsystems
  • entzündungsmodulierende Eigenschaften

In der Mykotherapie wird er häufig begleitend eingesetzt bei:

  • Durchblutungsstörungen
  • Arteriosklerose
  • erhöhten Cholesterinwerten
  • allgemeiner Gefäßbelastung

Wichtig: Heilpilze können begleiten, ersetzen jedoch keine ärztliche Therapie.

Judasohr in der Küche – Heilpilz mit besonderer Konsistenz

Viele kennen das Judasohr als Mu-Err aus der asiatischen Küche.

Die Konsistenz ist etwas glibbrig und für manche gewöhnungsbedürftig. Geschmacklich ist er jedoch mild und nimmt Gewürze sehr gut auf.

Er eignet sich hervorragend für:

  • Suppen
  • Wokgerichte
  • Salate
  • Gemüsepfannen

Getrocknet wird er in Wasser eingeweicht und quillt dabei wieder vollständig auf.

So verbindet sich kulinarischer Genuss mit gesundheitlichem Nutzen.

Sammeln und Trocknen des Judasohrs

Das Judasohr lässt sich vergleichsweise einfach sammeln.

Beim Sammeln beachten:

  • Nur von unbelasteten Standorten ernten
  • Nicht direkt an stark befahrenen Straßen
  • Saubere und gesunde Fruchtkörper wählen

Er kann frisch verwendet oder getrocknet werden. Getrocknet ist er lange haltbar und lässt sich bei Bedarf wieder einweichen.

Winterpilze als Heilpilze – Teil meiner Serie

Es fasziniert mich immer wieder, wie viele Winterpilze gleichzeitig Heilpilze sind.

Während der Wald scheinbar ruht, entstehen an alten Stämmen und Sträuchern wertvolle Naturbegleiter für unsere Gesundheit.

Nach dem Chaga ist das Judasohr ein weiterer Vertreter dieser besonderen Winterpilze.

In den nächsten Artikeln dieser Serie widme ich mich:

  • dem Austernseitling
  • der Schmetterlingstramete

Fazit: Den Winterwald neu entdecken

Was für viele wie ein kahler, grauer Wald wirkt, ist in Wahrheit ein lebendiger Raum voller Schätze.

Wer im Winter aufmerksam durch Birkenhaine und an alten Holunderbüschen entlanggeht, entdeckt vielleicht kleine braune Ohren am Holz – unscheinbar, weich, wertvoll.

Der Judasohr Pilz ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Natur, Heilwirkung und Kulinarik zusammenfinden.

Und vielleicht beginnt genau dort eine neue Art, den Winterwald zu sehen.